„Wer der Folter erlag, kann nicht mehr heimisch werden in der Welt.”

Zaunpfähle

Am Dienstagabend 21.11.2017 trafen sich erstmals Mitglieder*innen der
Psychoanlytische Anlaufstelle für Migranten und Flüchtlinge – PAMF-
und LINKE des Kreisverbandes Breisgau in den Räumen des
Psychoanalytischen Seminars in Freiburg zu einem Gespräch.

„Wer der Folter erlag, kann nicht mehr heimisch werden in der Welt.” (Jean Amery)

Diesen Satz zitierte der in Israel gebürtige Palästinenser Dr. Gehad Mazarweh auf die Frage, wie man schwersttraumatisierten Migranten und Flüchtlingen mit Therapie helfen könne.

Es sei das Wichtigste, dass traumatisierte Flüchtlinge hier einen Menschen finden, dem sie vertrauen können und dem sie ihre Nöte, Ängste und Sorgen schildern können und über ihre leidvollen Erlebnisse berichten können, sagte der in Freiburg lebende Psychoanlaytiker.

Zusammen mit der Psychoanlaytikerin Angelika Rees und weiteren Fachkollegen gründete er die PAMF – die Psychoanalytische Anlaufstelle für Migranten und Flüchtlinge.

Es sind dringend Kontakte zur Politik und Informationen über die Arbeit des PAMF in der Öffentlichkeit notwendig. Es ist erschütternd, dass es kaum Fachkräfte gibt, die diese Arbeit leisten können. Wie wichtig diese ist wird klar, wenn man Aussagen vernimmt wie: „tickende Zeitbomben neutralisieren“ und „verlorene Existenzen“.  Gemeint sind damit Jugendliche, die sich radikalisieren könnten und / oder schwersttraumatisierte Migranten, die aufgrund von Folter, Hunger und Gewalterfahrungen ihre Erlebnisse nicht verarbeiten könnten, wenn sie damit alleingelassen werden und keine geeignete Hilfe finden. Sie können so keinen Weg in unsere Gesellschaft finden.

Die Psychoanalytiker*innen des PAMF engagieren sich meist auch außerhalb ihrer eigentlichen Praxisarbeit und stoßen dabei über die Grenzen des finanziell und organisatorisch Machbaren hinaus. Anstatt Unterstützung von Krankenkassen und Behörden zu erhalten werden ihnen oft nur Steine in den Weg gelegt. Dolmetscherkosten werden nicht übernommen, Anträge werden verzögert oder abgelehnt. Herr Mazarweh sollte für ein von der Krankenkasse angefordertes qualifiziertes Gutachten über einen Patienten ganze sieben Euro und ein paar Cent erhalten. (Er erstellte das Gutachten ohne es zu berechnen)

Eine Therapeutin berichtete uns, dass sie kürzlich 500,- Euro an Dolmetscherkosten aus eigener Tasche überwiesen habe.

Für eine wirksame Öffentlichkeitsarbeit fehlt es an Zeit und Geld. Behörden, Verbände und Politik verschließen oft die Augen oder kennen weder die Problematik, noch die Wichtigkeit der Arbeit der PAMF.

Die Sozialarbeiter*innen, die es wissen, sind mit ihrer täglichen Arbeit meist ohnehin am Limit des Machbaren und haben kaum Einfluss auf die Entscheidungsträger.

Dabei seien, laut PAMF durchaus öffentliche Gelder für Integration vorhanden, sie werden jedoch oft zurückgehalten oder fließen mitunter in „prestigeträchtigere“ Projekte anderer Institutionen.   

Wir wollen mit der PAMF in Verbindung bleiben, über ihre Arbeit und Anliegen in unseren Reihen berichten und alle weiteren Möglichkeiten zur Unterstützung nutzen.