Einbeziehung der Bürger in die Gestaltung des Bahnhofs Müllheim

Zu unserem Bedauern wurde die Beschäftigung mit dem Thema Müllheimer Bahnhof auf der jüngsten Gemeinderatssitzung erneut vertagt.

DIE LINKE im Markgräflerland fordert daher, so Sprecher Moritz Kenk, den Gemeinderat Müllheim und Bürgermeister Löffler dazu auf, sich zeitnah, transparent und in Abstimmung mit den Bürgern an der Gestaltung des neuen Müllheimer Bahnhofs zu beteiligen.

Dabei sollen insbesondere die von Bürgern und Fachleuten eingebrachten Vorschläge zur Gestaltung der Bahnhofsanlagen erörtert und bewertet werden. Diese Vorschläge zielen auf eine Verbesserung der Planung im Sinne der Bürger vor dem Hintergrund eines immer wichtiger werdenden Bahnverkehrs ab.

DIE LINKE im Markgräflerland fordert ein geschlossenes Bahnhofsgebäude, das ausreichend Platz für Service und sanitäre Anlagen enthält. Ein barrierefreier Gleiszugang muss dringend gewährleistet sein. Er darf nicht ausschließlich vom Funktionieren eines Aufzugs abhängig sein! Der Bahnhofsvorplatz braucht zudem ausreichend überdachte Fahrradabstellmöglichkeiten.

Die bisher kaum stattfindende Kommunikation zwischen Bürgern auf der einen und der Stadtverwaltung auf der anderen Seite widerspricht unserem Verständnis von Demokratie und Bürgerbeteiligung.

DIE LINKE im Markgräflerland hatte daher schon in einer früheren Pressemitteilung eine Bürgerversammlung gefordert. Dies wurde abervon der Stadtverwaltung nicht aufgegriffen.

Wir fordern jetzt die Verwaltung der Stadt Müllheim, Bürgermeister Löffler und den Gemeinderat dazu auf, die Bürger über die geplante Gestaltung des Müllheimer Bahnhofs und die vorgebrachten Vorschläge von Bürgern und Fachleuten zu informieren. Da aufgrund der Corona-Pandemie eine Bürgerversammlung derzeit nicht mehr möglich ist, sollen die Lokalpresse, das Anzeigenblatt „Hallo Müllheim“ und das Internetportal der Stadt Müllheim zur Informierung der Bürger genutzt werden. Die Beteiligung der Bürger soll mittels eines Fragebogens realisiert werden.

Aktuelle Planung ignoriert die Interessen der Fahrgäste

Neben der Gestaltung des Empfangsgebäudes sieht DIE LINKE im Markgräflerland grundlegende Mängel in der Planung der Eisenbahnanlagen im Bereich des Müllheimer Bahnhof.

Die Umsetzung der aktuell gültigen Pläne hätte zwangsläufig zur Folge, dass Müllheim die vor wenigen Jahren erst wieder erfolgte Anbindung an den Schienenpersonenfernverkehr verlieren würde, da die Länge der geplanten Bahnsteigkanten von 210 Meter lediglich die typischen Längen von Zügen des Nahverkehrs berücksichtigt. Das aktuell in Müllheim haltenden Zugpaar von und nach München könnte am zukünftigen Müllheimer Bahnhof, gemäß der gültigen Planung, nicht mehr halten.

Darüber hinaus soll der Müllheimer Bahnhof von der Neubaustrecke, die bereits heute das Verkehren von Zügen aus dem Breisgau nach Weil am Rhein und Basel auf dem kürzesten und schnellsten Weg durch den Katzenbergtunnel ermöglicht, abgebunden werden. Für das Jahr 2025 plant das Land die Einrichtung von stündlich verkehrenden schnellen Zügen des Regionalverkehrs, die ohne Halt zwischen Müllheim und Weil verkehren sollen. Diese Züge könnten bei Umsetzung der aktuell gültigen Planung – sofern sie in Müllheim halten – nicht mehr den Weg durch den Katzenbergtunnel nehmen, wie es heute der Fall ist. Das Verkehren dieser Züge über eine längere Strecke ist mit längeren Fahrzeiten, höherem Verschleiß und einem höheren Energieverbrauch verbunden. Diese Planung ist nicht im Sinne der Umwelt, nicht im Sinne Bahnreisenden und daher aus unserer Sicht ins keinster Weise nachhaltig.

Obgleich die Eisenbahnanlagen in Bereich des Bahnhofs Müllheim rechtskräftig planfestgestellt sind, bestehen aus unserer Sicht noch Chancen, eine Änderung der Planungen zu erwirken, so Rolf Seifert, Kreisrat der Linken Liste. Wir fordern den Zweckverband Regio-Nahverkehr Freiburg (ZRF) und das Land als Aufgabenträger für den SPNV dazu auf, eine entsprechende Umplanung des Bahnhofs Müllheim mitzutragen. Dazu werden wir in Zusammenarbeit mit Eisenbahnexperten konkrete Vorschläge entwickeln und Anfang nächsten Jahres vorstellen.

Die dieses Jahr erfolgte Änderung des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes eröffnet in diesem Kontext neue Möglichkeiten der Förderung jener Infrastrukturanteile, die nicht Teil dieses laufenden Projekts des Bundesverkehrswegeplans sind. Die im Auftrag des Landes angestoßene nachträgliche Planung eines Regionalbahnhofs in Merklingen entlang einer im Bau befindlichen Schnellfahrstrecke auf der Schwäbischen Alb kann als Referenz für eine nachträgliche Umplanung des Bahnhofs Müllheim betrachtet werden.

Mit einer Ausführung der aktuell gültigen Pläne würde Müllheim schlechter gestellt und eine einmalige Chance für alle Gemeinden entlang der zukünftigen schnellen Regionalverkehrslinie vertan werden.